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Bei Landquart ist endlich Schluss mit dem Geradeausfahren. Wir folgen der B 28 durch Klosters, über den Wolfgangpass (1631 m) und Davos vorbei am Davoser See über den Flüelapass (2383 m) nach Susch. Es ist ein gutes Gefühl, endlich wieder einen Alpenpass zu befahren.
Hinter Susch geht es auf der B 27-28 Richtung Osten nach Zernez (1474 m), unserem heutigen Etappenziel. Wir finden den dortigen Campingplatz, der uns gut gefällt. Er liegt zwischen dem Inn auf der einen Seite und dem Bahnhof der Rhätischen Bahn (RhB) auf der anderen. Der Inn ist eiskalt und leuchtend blau. Wir denken über ein Bad nach, aber sind dann doch feige. Es sind noch einige weitere Motorradfahrer auf dem Platz, und wir treffen ein Paar aus Australien, die von München aus mit einer gemieteten BMW unterwegs sind. Die beiden sind hier zum ersten Mal in ihrem Leben beim Motorradfahren nass geworden...
Nach einer Pizza im Ort kriechen wir bald in unseren Schlafsack. Abends wird es auf dieser Höhe schon recht kühl, so dass es sich gut schläft.
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Auf der Passhöhe herrscht buntes Treiben. Man fährt Ski auf den auch im Sommer verbliebenen Schneeflecken, geniesst die starke Sonne oder klettert ein wenig. Es wirkt wie ein grosser Jahrmarkt. Nichts für Liebhaber einsamer Gegenden.
Wir folgen der S 38 Richtung Westen bis Bormio. Diese Strecke ist ausgesprochen schön zu fahren und wir geniessen das zügige Dahinrollen. Von dort geht es über den Passo di Foscagno (2291 m) auf der S 301 nach Livigno. Livigno ist eine Freihandelszone und Ferienparadies der Italiener. Der Liter Sprit kostet hier nur märchenhafte 900 Lire, also weniger als 90 Pfennig. Der erste Ort hinter der Grenze ist Trepalle, vor dessen einziger Tankstelle sich 2 Schlangen à 30 Autos vor den beiden Zapfsäulen gebildet haben.
Die S 301 windet sich über den 2208 Meter hohen Passo d'Eira und dann den Berghang hinab nach Livigno. Dort begegnet uns eine rote Moto Guzzi Sport 1100i, die erste von nur dreien im ganzen Urlaub - es scheint ein ungewöhnliches Motorrad zu sein... Wir durchqueren Livigno und fahren südwärts über den Forcola di Livigno (2315 m) zum Passo del Bernina (2328 m). In diesen Höhen laufen die Motoren mit der "Flachlandbedüsung" nicht besonders gut. Der Guzzimotor produziert vor allem bei mittleren Vergaseröffnungen heftige Fehlzündungen und entwickelt wenig Leistung. Aber wir haben ja Urlaub und lassen es sowieso gemütlich angehen.
Nach einer Pause auf der kühlen Passhöhe folgen wir der B 29 parallel zur RhB durch das Val Bernina hinunter nach Pontresina. Dort beginnt das mondäne Wintersportgebiet rund um St. Moritz. Auf der B 27 geht es zurück nach Zernez, wo sich die Runde von knapp 230 km schliesst. Damit sind die Tanks leer und wir fassen neuen Sprit.
Wieder auf der B 27 geht es über Scuol/Schuls bis zur österreichischen Grenze, dann über den Finstermünzpass (1188 m) nach Nauders und sogleich wieder über die Grenze nach Italien über den Reschenpass (Passo di Rescia, 1507 m). Von dort ist es nur ein kurzes Stück bis zum Ufer des Lago di Rescia, einem künstlich angelegten Stausee mit herrlich blaugrünem Wasser. Unglücklicherweise für die Bewohner des Ortes Rescia lag ihre Gemeinde zu niedrig, so dass sie den steigenden Fluten des neuen Sees weichen mussten. Einzig der Kirchturm ragt noch immer aus dem kühlen Nass und erinnert an eine Zeit, als das Tal noch bewohnt war.
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Wie gestern rollen wir zunächst auf der B 28 in Richtung Ofenpass, biegen dann aber ab und fahren durch den Tunnel nach Livigno. Der Verkehr wird im Wechsel durch die einspurige Röhre geleitet, die den lokalen Versorgungsbetrieben gehört. Mit umgerechnet DM 8,- pro Motorrad ist die Passage nicht eben billig, spart aber den nicht unerheblichen Umweg über den Berninapass. Auf der anderen Seite geht es entlang des Lago del Gallo, eines Stausees, nach Livigno zu einem billigen Tankstop.
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Dort findet heute ein Volksfest statt, es scheint als sei die ganze Gegend auf den Beinen. Wieder nichts mit der Abgeschiedenheit eines kleinen Passes... Wir setzen uns etwas abseits auf einen Hang, essen die mitgebrachten Butterbrote und trinken heissen Kaffee aus der Thermoskanne.
Da zwischenzeitlich über dem Cimino dei Tre Signori dunkle Wolken aufziehen, die zur Abfahrt mahnen, machen wir uns alsbald wieder auf den Weg. Auf unserer Michelin-Karte ist der nun folgende Abschnitt als schwierig zu fahren, aber asphaltiert, eingezeichnet. Das deckt sich aber nicht mit der Realität: die nächsten 10 km sind Schotter, doch immerhin sind die meisten Serpentinen geteert. Wären wir diese Strecke vor zwei Jahren gefahren, wäre Michaela spätestens an dieser Stelle wahrscheinlich ohnmächtig geworden. Aber jetzt, 30.000 Kilometer später, ist es eher eine Herausforderung.
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Im Tal angekommen geht es nach Ponte di Legno über den Passo del Tonale (1984 m), dort beginnt es zu regnen. Die Passhöhe ist mit den Zeichen des modernen Tourismus, Sessellifte, Hotelblöcke, Sportläden, verschandelt. Bis Vermiglio fahren wir durch vereinzelte Regentropfen, dann erst fügen wir uns und ziehen die Regenkombis an. Wenig später bricht das Unwetter los, es schüttet wie aus Kübeln. In Dimaro biegen wir ab und fahren entlang der S 239 über den Passo Campo Carlo Magno (1682 m) nach Tione de Trento. Keine besonders schöne Strecke, die durch den Regen, der sich mittlerweile zum ausgewachsenen Gewitter entwickelt hat, nicht gerade attraktiver wird.
Wir entscheiden uns die S 237 zu benutzen, um dem erwarteten Touristentrek in Richtung Riva del Garda auszuweichen. Der Regen wird immer schlimmer, stellenweise steht die Strasse knöcheltief unter Wasser. Was genug ist, ist genug - wir kehren in Pieve de Bono in einer Bar am Strassenrand ein, um das Ende des Gewitters abzuwarten. Ein paar Motorradfahrer aus der Gegenrichtung haben die gleiche Idee. Nach einer guten halben Stunde sind wir einigermassen trocken und unsere Ecke in der Bar ziemlich nass. An zwei der anderen Tische sind lautstarke Kartenspiele im Gange.
Nach dem Ende des Regens und einem kurzen Tankstop in Condino geht es weiter Richtung Süden bis Storo. Dort zweigt die S 240 ab und führt durch das Val de Ledro über Mezzolago Richtung Riva del Garda. Die Strecke ist ausgesprochen schön, leider wurde aber die alte serpentinenreiche Abfahrt hinunter nach Riva durch einen neuen Tunnel ersetzt - schade!
Von Riva aus drehen wir wieder gen Süden und folgen dem Westufer des Gardasees entlang nach Limone sul Garda. Die Strasse nimmt den wenigen verbleibenden Platz zwischen See und Felswand ein. In Limone schlagen wir unser Zelt auf dem ersten der beiden Campingplätze auf, der noch genügend Kapazitäten frei hat. Binnen kurzer Zeit sieht es aus wie am Waschtag, so viele Klamotten hängen zum Trocknen auf der Wäscheleine.
Das Abendessen genehmigen wir uns im Restaurant des Campingplatzes, das nicht nur gutes Essen sondern auch erstaunlich zivile Preise bietet. Wir haben insgeheim mit Touristennepp gerechnet und sind deswegen angenehm überrascht festzustellen, dass die Speiselokale in dieser Ecke Italiens allesamt recht günstig sind. Zum Ausgleich bedient uns dafür ein ausgesprochen eigenwilliger Kellner, der mir mitten im Essen den Teller wegreisst und mit ihm in der Küche verschwindet, weil sich ihm zu wenig darauf zu befinden schien. Kurz darauf taucht er frisch nachgefüllt wieder auf.
Alles in allem 330 Alpenkilometer mit Gepäck an einem Tag, ziemlich anstrengend!
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Diese Strasse gehört sicherlich zum Feinsten, was es rund um den Gardasee gibt. Ohne nennenswerte gerade Stücke geht es zunächst recht steil bergauf, vorbei an einigen schönen Aussichtspunkten auf den weit unten liegenden See. Weiter landeinwärts schlängelt sich das Asphaltband am Ufer des Lago di Valvestino entlang. Hier gibt es nur Kurven und fast keinen Verkehr, das reine Paradies!
Am Nordufer des Sees führt eine Sackgasse zu dem abgelegenen Bergdorf Magasa, einem netten ursprünglichen Nest ohne Touristen. Trotz der Abgeschiedenheit sind die Strassen allesamt in sehr gutem Zustand. Nach diesem Abstecher fahren wir weiter nach Capovalle und biegen kurz nach dem Ort auf eine kleine Strasse nach Treviso Bresciano ab. Auf dem Weg dorthin liegt die Kirche Madonna de Bresciano, der Schutzheiligen des Ortes gleichen Namens gewidmet, im Wald. Die einspurige Strasse führt weiter, vorbei an abgelegenen Häusern und Gehöften und schliesslich in weit geschwungenen Kurven hinab nach Idro, am Westufer des Lago d'Idro gelegen.
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Baden macht Hunger, und den Hunger stillt man am Gardasee vorzüglich und keineswegs überteuert in einem der idyllisch am See gelegenen Restaurants. Wir fahren einige Kilometer am Ufer entlang nach Süden bis zum Örtchen Gardone, an dessen Yachthafen wir den Tag mit einem schmackhaften Abendessen beschliessen. Leider nutzen Heerscharen von Ameisen unsere Unaufmerksamkeit und machen sich über die abgelegten Helme her, die vor der Rückfahrt zum Campingplatz gründlich entvölkert werden müssen...
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