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Numehr wieder Richtung Süden fahrend folgen wir der S 12 bis Mattarello. Auf der Suche nach einer gut versteckten Strasse, die hinter dem Ort in die Berge führt, treffen wir auf ein österreichisches Paar, die mit ihrer LeMans III auf dem Weg nach Sardinien liegengeblieben sind. Zum Helfen ist es allerdings zu spät, die beiden haben ihre Maschine bereits aus eigenen Kräften wieder flott gemacht. Wie unter Italienerfahrern üblich wird vor der Weiterfahrt wenigstens noch ein bisschen gefachsimpelt. Wir wünschen eine gute Fahrt, finden die gesuchte S 349 und fahren auf ihr durch die Weinberge Richtung Vigolo.
Die kleine Strasse führt durch dichten Wald immer höher hinauf und überquert den kleinen Passo de Filadonna. Kurz dahinter findet sich ein nett angelegter Rastplatz an einem kleinen Bach, auf dem man während einer Pause auch Historisches über die früher in dieser Gegend häufig anzutreffenden Koksbrennereien lernen kann. Ein solcher Ofen ist dort erhalten und wird auf einem Schnittbild in seiner Funktion erläutert.
Die S 349 führt uns weiter nach Carbonare, einer einsam gelegenen Siedlung an der Kreuzung mit der S 350. Wir fahren durch Lavarone und weiter über eine schöne Hochebene, die etwas abseits gelegen relativ wenig vom Tourismus mitbekommen hat. Es folgt der Passo di Vezzena (1402 m) und eine lange gewundene Strasse über einen relativ kahlen Hang hinab ins Tal nach Camporovere. Das verbleibende Stück hinunter nach Asiago ist eine Bergrennstrecke der Einheimischen, auf der uns viele Sportmotorräder entgegenkommen. Von weitem bereits sieht man den östlich der Stadt auf einem Hügel erbauten Triumphbogen.
Nach einem abenteuerlichen Tankmanöver an einem der verbreiteten Automaten beginnt es wieder einmal leicht zu tröpfeln. Glücklicherweise ziehen die Wolken nach Osten, während unsere Route gen Westen führt, zunächst bis Caltrano und dann nach einigen orientierungslosen Richtungswechseln bis Schio.
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Nach einer Verschnaufpause in der kühlen Passluft rollen wir durch das schöne Tal bergab nach Rovereto. Die gut zu fahrende Strasse führt an einer der ungewöhnlichsten Kirchen vorbei, die wir je gesehen haben. Sie wurde halb an den, halb im Berg gebaut, ohne einen nennenswerten Zugang ausser einem über die Schlucht gespannten Seil.
Die Kurven talabwärts machen süchtig, Kilometer um Kilometer lassen wir es zügig rollen. Viel zu schnell ist Rovereto erreicht und wir quälen uns durch den Feierabendverkehr nach Riva und zurück nach Limone.
Das Abendessen besteht heute aus einer schmackhaften Pizza im "Al Pirate", in Limone nahe dem Hafen gelegen. Beim anschliessenden Piazzabummel am Hafen geniessen wir die kühle, frische Abendluft und geben unseren Mägen Gelegenheit, ihre Arbeit zu tun. Ein passender Abschluss unseres letzten Tages am Gardasee.
Kurz vor Lodrone wird Sprit gefasst, denn auf den nächsten 60 km ist mit keiner Tankstelle zu rechnen. Wir biegen auf die S 345 nach Breno ab. Zunächst führt die Strasse steil nach oben. Von dort bieten sich einem herrliche Blicke über den Lago d'Idro. Nach einigen Kilometern geht es dann landeinwärts weiter in Richtung Bagolino. Dort zweigen einige kleine Strassen zum Passo del Maniva (1664 m) ab. Da wir das ganze Gepäck dabei haben fahren wir aber weiter auf der Strada Statale durch das Val di Caffaro entlang des gleichnamigen Flusses. Die Strasse führt zunächst in weiten Bögen, dann in immer enger werdenden Kurven und Serpentinen hinauf zum Passo di Croce Dominii (1892 m). Der kahle Pass liegt inmitten eines Wintersportgebietes, aber jetzt im Sommer sind nur Hirten mit ihren Kuh- und Schweineherden unterwegs. Überall bimmelt es.
Auf der ganzen Strecke herrschte bisher sehr wenig Verkehr, der Strassenzustand ist ausgezeichnet. Nach der recht einfachen Südauffahrt geht es hinter dem Pass um einiges steiler talwärts. Wir durchfahren mehrere kleine Ansiedlungen, die auf der Michelin-Karte nicht eingezeichnet sind und gelangen schliesslich in das grosse Val Camonica, in dem Breno liegt. Was auf der Karte schon nicht besonders aussah, entpuppt sich als grossflächige Industrieansiedlung, die man am besten schnell durchfährt und sich dann wieder schöneren Regionen zuwendet. Kurz vor Breno treffen wir ein deutsches Paar mit einer alten CB 750 und einer DR 650, an deren Fersen wir uns heften. Offensichtlich ist die Enduro mit dem ganzen Gepäck nicht besonders gut zu Fuss, weswegen wir recht bald überholen und in zügigem Tempo nach Edolo gelangen.
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In Madonna di Tirano befindet sich die Endstation der Bernina-Linie der Rhätischen Bahn, jener Schmalspureisenbahn, die wir schon aus dem von hier nicht mehr weit entfernten Engadin kennen. Die Bahn fährt quer über den Marktplatz und verläuft dann parallel zur schweizerischen Bundestrasse 29, der wir nach Erledigung der Zollformalitäten (bestehend aus einem gelangweilten Durchwinken seitens des Zöllners) folgen. Hinter Brusio befindet sich eines der bekanntesten Bauwerke der Bahnstrecke, ein voller 360-Grad Kreis in den Schienen, der zum Gewinnen von Höhe dient. Die abenteuerliche Konstruktion erinnert stark an eine Modelleisenbahn.
Die Strasse erklimmt weiter das Val Poschiavo, vorbei am gleichnamigen Stausee hinter Miralago, durch Poschiavo und San Carlo. Wir nähern uns wieder den schneebedeckten Gipfeln des Bernina-Massivs bis kurz vor dem Pass. Dort zweigt die Strasse nach Livigno ab, wo wir noch einmal billig zu tanken gedenken. Am Forcola di Livigno werden das erste Mal überhaupt unsere Papiere kontrolliert, aber schon kurze Zeit später rollen wir bergab das Valle di Livigno hinunter und halten an der ersten Tankstelle an.
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Nachdem ich meine Kombihose mit einem Handtuch etwas ausgepolstert habe, geht es zurück über den Forcola, wieder durch den Zoll und auf den Passo del Bernina (2328 m), von dem man einen herrlichen Ausblick auf den 4049 m hohen Pizzo Bernina hat. Durch das weitläufige Tal fahren wir ein weiteres Mal an dem zauberhaften Städtchen Pontresina vorbei, biegen danach aber Richtung Südwesten nach St. Moritz ab. Beeindruckende, nett in die Landschaft integrierte Hotels und kunstvoll geschmückte Häuser zeugen vom Wohlstand durch Kur- und Tourismusbetrieb.
Die B 3 führt weiter nach Silvaplana. Hinter dem Ort fahren wir am Lago da Silvaplauna vorbei, über den ein heftiger und eiskalter Wind weht, der das Wasser aufpeitscht und Wellen mit Schaumkronen vor sich her treibt. Zu kalt für meinen Geschmack, aber einige Unentwegte surfen hier sogar!
Das Tal verläuft nahezu horizontal, bis man ungefähr 10 km weiter nach Maloja und quasi "ans Ende der Welt" gelangt. Der Fels bricht hier am Passo del Maloja (1815 m) ohne jede Vorankündigung viele hundert Meter tief fast senkrecht weg. Die Strasse führt in haarsträubend über- und nebeneinander gebauten Tornanti nach unten, ohne dass ein Ende abzusehen wäre. Das Val Bregaglia ist aufgrund der viel tieferen Lage grün und einladend, wo es um St. Moritz kalt und harsch war. Was 10 km doch ausmachen können...
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Gestern abend haben wir uns auf der Karte einen Campingplatz ausgesucht, der abseits der Touristengegend auf halbem Weg zum Splügenpass bei Campodolcino liegen soll. So fahren wir denn durch Chiavenna das Val San Giacomo zum Pass hinauf. Campodolcino ist ein abgelegenes aber dennoch recht grosses Nest, das zum einen nicht sehr einladend wirkt und uns zum anderen anscheinend auch nicht aufnehmen will - jedenfalls finden wir keinen Campingplatz und drehen nach kurzer Suche um. Talabwärts geht es wieder durch Chiavenna und durch einen Navigationsfehler meinerseits über Gordona Richtung Süden bis Novate Mezzola, vorbei am Lago di Mezzola bis nach Sorico, am Nordufer des Comer Sees gelegen.
Sorico hat gleich mehrere Campingplätze zu bieten. Wir entscheiden uns für den direkt am Wasser gelegenen "Camping du Lac", ein gepflegter Platz mittlerer Grösse auf dem, wie wir bald sehen werden, Service gross geschrieben wird. Wir schlagen unser Zelt auf und verstauen unser Gepäck, während an einem Nachbarzelt bereits leckeres Abendessen gekocht wird. Uns läuft das Wasser im Mund zusammen, so dass wir bereits wenig später in einer kleinen Albergo in der Nähe von Sorico sitzen und beim Blick auf den See zu abend essen. Wenig später beginnt es zu regnen, die Wolken haben uns eingeholt.
Getreu dem alten Motto "es gibt kein schlechtes Wetter, nur schlechte Kleidung" fahren wir alsbald Richtung Norden, entlang des Val San Giacomo bergauf zum Splügenpass (Passo dello Spluga, 2113 m). Kurz hinter Campodolcino (1070 m) tauchen wir in die Wolken ein, es wird mit jedem gewonnenen Höhenmeter kälter und dunkler. Ich habe Probleme, die Strasse zu sehen - hätte ich das getönte Visier bloss daheim gelassen! Zu allem Überfluss laufen wir auch noch auf einen Bus auf, der ebenfalls zum Pass fährt. Das Überholen gestaltet sich in den engen Serpentinen ziemlich langwierig, aber endlich sind wir vorbei.
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Die Zollstation auf dem Pass passieren wir wie gewohnt unkontrolliert und ich freue mich schon auf den Abstieg in wärmere Gefilde. Der Regen lässt nach, im Hinterrheintal nieselt es nur ab und an ein wenig. Triefnass und rechtschaffen kalt legen wir im Hotel "Zur Post" in Splügen eine Pause ein und geniessen einen warmen Kakao. Wir überlegen, ob es sich lohnt weiterzufahren oder ob wir umkehren sollen, aber keiner von uns hat Lust, wieder über den Splügen zu fahren. Jedenfalls nicht bei diesem Wetter.
So beschliessen wir also, über die Via Mala und St. Moritz "aussenherum" zurück zu fahren. Daraus wird aber zunächst mal nichts, weil sich ein paar Hasen aus der Nachbarschaft mit dem warmen Motorblock der Guzzi angefreundet haben und sich partout nicht verscheuchen lassen wollen. Nach mehreren freundlichen Versuchen die Mümmelmänner zum Umzug zu bewegen, folgt der Druck auf den Starter. Das ist dann doch zuviel für die beiden und sie ergreifen die Flucht.
Das Hinterrheintal hat leider durch den Bau der Autobahn N 13 ganz erheblich gelitten. Wir fahren auf der parallel verlaufenden Landstrasse Richtung Thusis und versuchen, an der hässlichen Asphaltpiste vorbei zu gucken so gut es geht. Immerhin benutzen die ganzen Busse, LKWs und die meisten Touristen die Autobahn, wenigstens ein Vorteil. Das Wetter hat mittlerweile etwas aufgeklart, als wir zwei Deutsche mit BMWs treffen, die sich nach dem Wetter auf der Südseite erkundigen. Wir raten ab und erfahren, dass das Wetter im Osten auch nicht viel besser sei.
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Von der Via Mala sind es nur noch wenige Kilometer Richtung Norden bis nach Thusis, wo wir nach Osten abbiegen und dem Albulafluss bis nach Tiefencastel folgen. Dort biegen wir wiederum ab und fahren auf der Bundesstrasse 3 Richtung Südosten in Richtung Julierpass. Die Strasse ist trocken und in gutem Zustand, es geht also zügig vorwärts. Der Julierpass (2284 m) ist auf ungefähr 10 km zur Baustelle geworden, die Fragmente der Strasse sind mit einer dicken Schlammschicht überzogen und viele LKWs wirbeln noch mehr Dreck auf. Ein unerfahrener Chopperfahrer ist auf dieser Brühe weggerutscht und hingefallen, es ist aber nichts passiert. Wir fahren langsam und in gebührendem Abstand hinter einem LKW her, ein Schlammbad muss jetzt nicht sein. Auf der Passhöhe weht ein eisiger Wind und wir fahren ohne Halt weiter.
Die Ostseite präsentiert sich freundlicher, während wir die 450 Höhenmeter bis Silvaplana herunterzählen. Von dort geht es wie gestern schon über Maloja und Chiavenna zurück nach Sorico. Der Tankwart kurz vor der Grenze (in Italien kostet der Sprit 30 Pfenning mehr) macht uns wenig Hoffnung auf besseres Wetter, aber wir sind eh schon nass bis auf die Knochen - was macht das schon? Auf dem Campingplatz angekommen, machen wir es uns im Zelt gemütlich, schreiben Karten und hören Musik.
Die 24 Stunden Dauerregen haben das Zelt an einer Stelle durchgeweicht, wir machen uns Sorgen, ob es drinnen trocken bleiben wird. Mit Kochen wird es heute wieder nichts, also gehen wir zum Essen in ein nahegelegenes Restaurant. Wir nehmen uns viel Zeit, und als wir gegen 11 Uhr wieder auf die Strasse treten, weht ein starker Wind und es giesst in Strömen. Gewitterböen setzen ein, und ringsherum blitzt es. Auf dem Campingplatz herrscht helle Aufregung, ein Igluzelt kugelt über den Platz, Surfbretter, Kleidungsstücke und Handtücher fliegen herum. Unser Zelt steht zwar noch, macht aber schwer Wasser. Der Besitzer des Platzes rennt mit einer Taschenlampe umher und bietet allen Zeltcampern kostenlos die leerstehenden Hütten zur Übernachtung an. Wir akzeptieren dankend und retten unser Hab und Gut aus dem Zelt. Überall stehen tiefe Pfützen und der Wind frischt noch mehr auf. Violette Blitze zucken über die Berge hinweg und wir sind froh als wir endlich alles zusammengetragen und auf die mitgebrachte Wäscheleine unter dem Vordach der Hütte gehängt haben. Das hätte auf einem anderen Campingplatz ein ganz schöner Reinfall werden können...
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