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Die meisten unserer Sachen sind wieder trocken und können eingepackt werden. Nach dem Frühstück beladen wir die Motorräder, geben den Hüttenschlüssel zurück und machen uns auf zur vorletzten Station unserer Fahrt, dem Lago Maggiore.
Zuvor aber bestehe ich darauf, den Geburtsort meiner Guzzi kennenzulernen: Mandello del Lario, am Ostufer des Comer Sees gelegen. Vorbei an Nuova Olonio fahren wir auf die "Superstrada" Richtung Süden bis nach Bellano. Dort geht es auf der alten Strasse am Seeufer entlang weiter nach Süden.
Auf dem Lago di Como verkehren mehrere Fährlinien - wir haben uns die Fähre von Varenna nach Menaggio am Westufer des Sees ausgesucht, um ordentlich abzukürzen. In Varenna angekommen fahren wir hinunter zum Hafen um uns nach den Preisen und Abfahrtzeiten erkundigen. Die Passage kostet umgerechnet DM 18,- für beide Motorräder plus Fahrer. Das erscheint uns günstig und wir kaufen zwei Fahrscheine.
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Mandello selbst ist zwar klein, aber nicht so klein, dass man nicht einige Zeit damit verbringen könnte, erfolglos das Werk zu suchen. Wir kommen an der Lafranconi-Fabrik vorbei und finden nach einiger Zeit den Laden des wohl bekanntesten Guzzihändlers der Welt, Duilio Agostini. Dieses Geschäft muss eine Fundgrube für einen Guzzifan sein, dummerweise ist Mittagspause! Immerhin wissen wir uns nun in unmittelbarer Nähe der Fabrik, die wir kurz darauf auch finden. Hineingehen dürfen wir leider nicht, es sind Werksferien, wie uns der freundliche Wachmann erklärt. Nichts zu machen, aber wir waren da! Und beim nächsten Mal kriegen wir auch eine Führung, klarer Fall.
Auf der Herfahrt war mir nahe Bellano ein über der Stadt gelegener Punkt aufgefallen, von dem aus sich eine fantastische Sicht über den See bietet. Da bis zum Ablegen der Fähre noch eine gute halbe Stunde Zeit ist, fahren wir die paar Kilometer zurück, schlängeln uns durch den Ort und finden den Platz.
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Die Überfahrt dauert nur etwa 20 Minuten und bietet schöne Ausblicke auf beide Seeufer. Der Sturm der letzten Nacht hat das Wasser aufgewühlt, es sind immer noch recht grosse Wellen übrig geblieben. Der Comer See, obwohl kleiner als seine Nachbarn Lago Maggiore und Gardasee, ist nichtsdestotrotz beeindruckend. Er misst 439 m an seiner tiefsten Stelle.
Menaggio kommt rasch näher. Am dortigen Fähranleger wartet schon eine lange Schlange Autos auf die Überfahrt. Wir fahren auf der S 340 Richtung Lugano, die steil den Berg hinauf führt und dann nach Westen biegt. Diese Strecke sind wir bereits 1995 einmal gefahren. In den zwei Jahren dazwischen haben die örtlichen Behörden keine Zeit verloren und die ehemals miserablen Strassen neu geteert und ausgebessert. Wie überall bisher in Italien so sind sie auch hier in bestem Zustand.
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Von 1995 kennen wir bereits das chaotische Verkehrsgewühl auf der hoffnungslos überlasteten Strasse zwischen Locarno und Ascona. Damals noch im Bau, ist nun der Umgehungstunnel um Ascona fertiggestellt und so geht es doch zügiger vorwärts als erwartet. Unser Campingplatz "Camping Zandone" liegt etwas ausserhalb in Losone, am Ausgang des Centovalli. Der Platz ist wie leergefegt, das Unwetter der vergangenen Nacht hat die meisten Camper vertrieben. Uns soll es recht sein, so viel Auswahl hat man selten.
Abends geht es zum Stadtbummel nach Ascona, jenem beliebten Ferienort Bessergestellter. Bereits der Parkplatz an der Piazza ist gefüllt mit teuren Karossen. Am Hafen finden gerade die "Ferrari Days" eines Luganoer Autohauses statt, es gibt alle neuen und viele alte Ferraris zu sehen, unter anderem auch den Formel 1-Rennwagen eines gewissen Deutschen namens Schuhmacher. Wer Glück hat, kann bei einer Verlosung eine Probefahrt in einem Ferrari gewinnen, und zu gucken gibt es allemal genug. Zu abend essen wir eine lokale Spezialität, Steinpilzrisotto, im "Schiff".
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Am oberen Ende des Tals liegt das Dörfchen Macugnaga, ein ehemals verschlafenes Bauernnest, das heute ausschliesslich vom Wintersport lebt. Selbst jetzt Ende August liegt Schnee bis wenige 100 Höhenmeter über dem Dorf. Am Fusse der vor uns aufragenden Berge strömt Schmelzwasser über grosse Geröllhalden zu Tal, es ist ziemlich kalt. Es herrscht geschäftiges Treiben, viele Touristen sind schon jetzt hier, vor der eigentlichen Saison. Besonders viel zu bieten hat der Ort nicht, und so fahren wir schon bald wieder talabwärts zurück nach Piedimulera.
Dort folgen wir dem Val d'Ossola in südöstlicher Richtung vorbei am Lago di Mergozzo nach Verbania, am westlichsten Punkt des Lago Maggiore gelegen. Hier beginnt die Küstenstrasse zurück nach Ascona, auf der man eigentlich zügig vorankäme, wenn nicht die lokalen Ordnungshüter mit einem transportablen Gebühreneintreiber vor Ort wären. Uns erwischen sie glücklicherweise nicht, weil sie gerade mit einem anderen Motorradfahrer beschäftigt sind.
Die S 34 verläuft über Canero Riviera und Cannobio über die Grenze bei Piaggio di Valmare nach Brissago, von dort fahren wir zurück nach Ascona. Da es noch früh ist, machen wir an der Piazza halt und schauen dem Treiben rund um die Ferraris mit einem Becher Eis zu. Selbst die Kellnerinnen tragen Ferrarihemden und -kappen. Zu abend essen wir heute lieber Selbstgekochtes, die gesalzenen Preise der Restaurants erleichtern die Entscheidung. Spaghetti Bolognese sind doch auch was Feines...
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Ebenso einfach wie die Auffahrt gestaltet sich die Abfahrt. Es sind eine Menge Motorräder unterwegs, unter anderem überholen wir eine in einer Gruppe mitfahrende Hailwood-Replica von Ducati. Natürlich nicht, ohne vorher einige Minuten hinter ihr zu bleiben und dem Klang des Königswellen-Twins zu lauschen. Ehre, wem Ehre gebührt.
In Brig angekommen folgen wir der Rhône für etwa 30 km flussaufwärts auf einer wenig interessanten Strasse bis nach Ulrichen. Hier führt eine kleine Trasse auf den 2478 Meter hohen Nufenenpass hinauf, der offensichtlich bei Motorradfahrern sehr beliebt ist; es sind jedenfalls deutlich mehr Zweiräder unterwegs als Autos. Wenige Kilometer bevor der Anstieg beginnt bietet sich die Möglichkeit zur Rast an einem Bach. Danach wird die Strasse enger und kurviger und steigt zügig bergan. Kurz vor der Passhöhe liegt rechts und links der Strasse frisch gefallener Schnee.
Die Abfahrt auf der Ostseite ist weniger kurvig und führt hoch über dem Flüsschen Ticino durch das Val Bedretto hinab an den Fuss des Gotthard, nach Airolo. Dort geraten wir wieder an eine Automatentankstelle, die uns soviel Sprit abgibt, dass die Tanks überlaufen. Aber besser zuviel als zuwenig, denn es liegen noch einige Kilometer vor uns.
Von Airolo aus steht man vor der Wahl: entweder den alten, teilweise kopfsteingepflasterten Pass oder den neueren, autobahnartigen Abschnitt nehmen. Wir entscheiden uns für letzteren, von dem man den Verlauf der alten Passtrasse gut verfolgen kann. Das Gros des Verkehrs fährt heutzutage durch den Tunnel, so dass man sich nicht durch LKW- und Buskolonnen quälen muss. In kurzer Zeit erreichen wir 2108 Meter und beginnen die Abfahrt nach Hospental, kurz vor Andermatt.
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Auf der Westseite des Furka befindet sich eine Besonderheit, der Rhônegletscher, Quelle des gleichnamigen Flusses. Er ragt direkt neben der Strasse mit seinem bläulich gefärbten Eis auf, die Höhle aus der das Wasser austritt kann besichtigt werden. Einige Kilometer weiter, am Fusse von Furka und Grimsel, liegt der Ort Gletsch, von dem man einen prächtigen Blick zurück auf Pass und Gletscher hat. Hier merke ich, dass ich unsere Karte auf dem Furka verloren habe. Glücklicherweise habe ich mir den weiteren Weg eingeprägt, denn die von uns bevorzugten Michelinkarten scheinen in dieser Gegend schwer aufzutreiben zu sein.
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Der sechste und letzte Pass für heute ist auch gleichzeitig der schönste: der Sustenpass (2259 m). Die kleine Strasse dort hinauf zweigt in Innertkirchen ab und erklimmt das Gadmental durch dichte Nadelwälder, kleine Dörfer und vorbei an schroffen Felsen. Da heute Sonntag ist und viele Einheimische mit ihren Motorrädern hierher kommen, ist auch die Gendarmerie nicht weit - schon viele Kilometer vor der Falle warnen uns die Entgegenkommenden. Wir haben keine Eile und kennen die Strecke nicht, daher kümmert es uns wenig.
Die Passhöhe ist ein Treffpunkt von Bikern aus den umliegenden Kantonen Vallis, Bern, Unterwald und Uri, und an diesem schönen Sonntag haben sich manche von noch weiter her dort eingefunden, um Sonne und Ausblick zu geniessen. So gewunden und waldreich die Westseite ist, so kahl und geradlining gestaltet sich die Ostseite. Das Tal führt nahezu geradlining 20 Kilometer weit und 1350 Meter hinab nach Wassen, unweit des Nordportals des Gotthards am Eingang der Schöllenenschlucht. Man hat einen herrlichen Blick hinab auf den Boden des Tals. Mir fallen dunkle Wolken auf, die scheinbar talabwärts treiben. Ich glaube zunächst an eine Illusion, erkenne dann aber, dass es riesige Mückenschwärme sind!
In Wassen biegen wir auf die Autobahn Richtung Luzern und fahren am Urner See vorbei bis zum Vierwaldstätter See. Uns reicht's für heute, die letzten Kilometer fahre ich im Stehen, so dass wir die Abfahrt Buochs nehmen und im Mototel "Postillion" in Beckenried einkehren. Obschon nahe der Autobahn gelegen haben wir von unserem Zimmer einen herrlichen Ausblick auf den Vierwaldstätter See. Ich gönne meinem gepeinigten Hinterteil ein paar Minuten der Erholung in einem herrlich gepolsterten Sessel - vor der nächsten Tour unternehme ich etwas gegen diese Foltersitzbank!
Wir beschliessen den Tag mit einer erfrischenden Dusche, einem hervorragenden Fünf Sterne-Buffet zum Abendessen auf der Hotelterrasse und einem anschliessenden Verdauungsspaziergang am Seeufer. Müde aber zufrieden fallen wir ins Bett.
Bis nächstes Jahr, wir kommen wieder!
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